Alles rund um die Ziege

Die Ziegenzucht in Schleswig-Holstein hat eine lange Tradition. Sicherte die „Kuh des kleinen Mannes“ in früheren Zeiten das Überleben vieler Familien, so sind die Produkte der Ziege heutzutage begehrte Delikatessen von hoher Qualität. Ziegen gehören zu den ältesten Haustieren des Menschen. Sie liefern Milch, Fleisch, Wolle und Felle und werden seit einigen Jahren auch vermehrt in der Landschaftspflege eingesetzt.

In Schleswig-Holstein werden zur Zeit 7 Rassen im Herdbuch geführt. Die Rassen lassen sich nach ihrer Nutzungsrichtung in Milch-, Fleisch- und Wollziegen einteilen, wobei auch Zwischenformen (Mehrnutzungstypen) vorhanden sind.

Seit etwa hundert Jahren sind die Ziegenzüchter Schleswig-Holsteins in Verbänden organisiert, die heute im Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. vereint sind. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Zahl der Ziegen in „schlechten Zeiten“ ansteigt, während sie in Zeiten steigenden Wohlstandes stets zurückgeht. So hatten wir in Schleswig-Holstein – wie in ganz Deutschland – nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der achtziger Jahre einen ständigen Rückgang der Ziegenzucht zu verzeichnen. Mit Beginn der Änderung der Ernährungsgewohnheiten hin zu gesünderen und naturbelasseneren Lebensmitteln ist seitdem ein erneuter steter Anstieg der Ziegenzahlen zu beobachten.

Ziegenhaltung in Deutschland

Etwa 5.500 v. Chr. beginnt die mitteleuropäische Landwirtschaft, die neben Rind, Schwein, Schaf, Hund auch die Ziege als Haustier hält. Die Tiere wurden hauptsächlich zur Fleischerzeugung und für Rohstoffen zur Herstellung von Bekleidung und Gebrauchsgegenständen gehalten. Ab 5000 bis 4.400 v. Chr. wurden die Ziegen auch gemolken. In der Zeit der Römer (ca. 450 n. Chr.) erfolgte die Einführung der Tierzucht und mit ihr ausführliche Hinweise zur Haltung von Ziegen.

Auch im Mittelalter (ca. 500-1500 n. Chr.) genoss die Ziegenhaltung großes Ansehen. Dies konnte durch Urkunden aus der Zeit Karl des Großen belegt werden. Gerühmt wurden die Genügsamkeit der Ziege sowie das Talent, sich an verschiedene Umweltbedingungen anzupassen. Bis zum 30jährigen Krieg wurden in Deutschland sehr viele Ziegen gehalten. Danach gewann die Rinderhaltung stark an Bedeutung und die Weidegerechtigkeit wurde aufgehoben. Damit stand der Ziegenhaltung immer weniger Weidefläche zur Verfügung. Zudem wurde die Ziege aufgrund ihrer Fressgewohnheiten vermehrt als schädlich für den Forstbestand angesehen. In vielen Regionen wurde deshalb die Ziegenhaltung gesetzlich eingeschränkt.

Der Ziegenbestand wuchs stetig zwischen 1870 und 1915, stieg nach dem 1. Weltkrieg sogar auf über 1 Millionen Tiere in Deutschland und auch während des 2. Weltkrieges wurden mehr Ziegen gehalten.
Durch bessere Lebensumstände auch zwischen den Weltkriegen nahm der Bestand aber immer wieder ab. Seit 1950 sank der Bestand deutlich, bis er etwa 1970 seinen Tiefstand erreichte.

Bis in die 90iger steigerte sich allerdings das Interesse der Verbraucher für Ziegenmilch und deren Produkte. Zu dieser Zeit konnte ein neuer Trend beobachtet werden. Obwohl es der Bevölkerung wirtschaftlich besser ging, stieg die Zahl der Ziegen in Deutschland an. Dies war eng mit den veränderten Verbrauchergewohnheiten, hin zu naturbelasseneren und regionalen Lebensmitteln verbunden. Zudem gewann die Direktvermarktung an landwirtschaftlichen, heimischen Produkten an Bedeutung.

In Deutschland werden aktuell etwa 170.000 Ziegen gehalten, davon rund 140.000 Ziegen in circa. 9.800 landwirtschaftlichen Betrieben. Über 60 % der gehaltenen Tiere sind weibliche Ziegen und dienen der Zucht. Der Anteil an ökologisch wirtschaftlichen Betrieben liegt bei etwa 10 %. Ein Großteil der Ziegenhaltung findet in Süddeutschland statt; alleine auf Bayern entfallen knapp 38.000 Ziegen und auf Baden-Württemberg etwa 30.000 Ziegen. Damit konzentrieren sich etwa 47 % aller in Deutschland gehaltenen Ziegen auf diese beiden Bundesländer.

Ziegenhaltung weltweit

Die Ziege und das Schaf leben nach dem Hund am längsten an der Seiten des Menschen. Knochenfunde aus dem Iran und dem Irak belegen, dass in diesem Gebiet bereits im 8. bis 7. Jahrtausend v. Chr. Hausziegen gehalten wurden. Damit zählen diese beiden kleinen Wiederkäuer weltweit zu den ältesten domestizierten Nutztieren.

Schon früh nahmen die Ziegen eine wichtige Stellung für die Wirtschaft ein. Sie lieferten Fleisch und ihre Häute wurden für Leder und Schläuche zum Transport von Flüssigkeiten genutzt. Seit mindestens 4500 Jahren wurden die Hausziegen auch gemolken und die Wolle weiterverarbeitet. Aber auch religiöse und kultische Erwägungen spielten eine gewisse Rolle bei der Verbreitung der Ziege.

Weltweit werden etwa 765 Mio. Ziegen gehalten, die ca. 130 Rassen zuzuordnen sind. In. Etwa 80% der Ziegen wird in tropischen Ländern gehalten und insgesamt 93% des Ziegenbestandes der Welt ist in den Entwicklungsländern. Nur knapp 3 % des Bestandes gibt es in Europa.

In Europa beträgt der Bestand etwa 18,4 Mio. Tiere, die sich vorwiegend in den traditionellen Ziegenländern Spanien, Griechenland und Frankreich befinden. In den Mittel und Osteuropäischen Staaten sind die Schaf- und Ziegenbestände seit Anfang 1990 stark zurückgegangen. In den meisten europäischen Ländern werden die Ziegen überwiegend zur Milchproduktion eingesetzt.

Vorteile der Ziege auf einen Blick
  • Hohe Anpassungsfähigkeit
  • Geringe Ansprüche an die Wasserversorgung
  • Hohe Salztoleranz
  • Fressgewohnheiten
  • Vielseitige Nutzung
  • Schnelle Vermehrung bzw. Nutzung
  • Keine religiösen Vorbehalte
  • Die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel
  • Eine Antwort auf das veränderte Bewusstseinzu gesunder Ernährung in der Bevölkerung
  • Die Erschließung der Ziegenhaltung als Einkommensmöglichkeit
  • Der Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen
  • Landschaftspflege
  • Die soziale Funktion – die Ziege als Haustier im Hobbybereich

Ziegenzucht

Mit der Ziegenzucht beschäftigen sich in Deutschland insgesamt 667 Züchter. Ziegenzucht ist dabei mehr als Freizeitgestaltung. Die Zucht von Ziegen und den anderen landwirtschaftlichen Nutztieren regelt das Tierzuchtgesetz mit seinen Verordnungen. Zielstellung des Gesetzes ist es die Leistungsfähigkeit der Tiere unter Berücksichtigung der Tiergesundheit zu erhalten und zu verbessern, die Wirtschaftlichkeit der tierischen Produktion zu erhöhen, die Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel zu sichern und die genetische Vielfalt zu erhalten. Dazu leisten unsere Züchter einen wertvollen Beitrag.

Andere Bezeichnungen für Ziegen
Jungtier: Zicklein, Lamm, Kitzi, Gitzi
Weibliches Tier ab der ersten Geburt: Geiß, Ziege, Zibbe
Weibliches Tier, das noch nie gelammt hat: Maidenziege
Männliches geschlechtsreifes Tier: Bock

Formen der Ziegenhaltung

Die Begriffe „Kapriolen“ und „Kapriziös“ leiten sich von „Capra“, dem lateinischen Namen der Ziege, ab.
Im täglichen Umgang mit Ziegen versteht man diesen Zusammenhang schnell:
Vor allem Jungtiere sind ständig in Bewegung, vollführen die wildesten Sprünge, deren Richtung nie vorhersehbar scheint, und erklettern wirklich alles, was auch nur annähernd dazu geeignet ist. Auch erwachsene Ziegen klettern gerne, um von erhöhten Standorten aus ihre Umgebung zu erkunden. Sie machen auch vor parkenden Autos keinen Halt.

Aufgrund ihres typischen Fressverhaltens können Ziegen zur Landschaftspflege dienen. In Weidegebieten können Buschvegetationen in Schach gehalten werden, da die Tiere bevorzugt Blätter, junge Triebe, Sträucher und Gestrüpp sowie Zweige fressen. Ziegen können durch ihre Geschicklichkeit auch dorniges Gestrüpp abfressen ohne sich zu verletzen. Zur Landschaftspflege sollen die Tiere aber auch Pflanzen fressen, die für sie nicht so schmackhaft sind. Dabei kann es sein, dass die Tiere nicht genügend Nährstoffe aufnehmen um hohe Leistungen zu erbringen.

Ziegen werden überwiegend in Betrieben mit kleinen Beständen von weniger als 50 Tieren gehalten. Häufig werden Ziegen aber auch in Kombination mit anderen Tieren gehalten und ergänzen somit den landwirtschaftlichen Betrieb. Als Erwerbsform wird die Milchziegenhaltung je nach Herdengröße im Voll- oder im Nebenerwerb betrieben und trägt somit zur Einkommenssicherung dieser Familien im ländlichen Raum bei. Generell ist davon auszugehen, dass die Milchziegenhaltung eine arbeitsintensive Einkommensquelle darstellt.

Die in Deutschland gezüchteten Rassen für die Milchproduktion sind: Bunte Deutsche Edelziege, Weiße Deutsche Edelziege, Thüringer Waldziege.
Die typische Ziege für die Fleischproduktion ist die Burenziege, die vornehmlich in der Landschaftspflege eingesetzt wird.

Multitalent Ziege

Da die Ziegen über eine große ökologische Anpassungsfähigkeit verfügen, existieren vielfältige Möglichkeiten in Bezug auf Formen und Strukturen der Ziegenhaltung.

Mit der Domestikation der Säugetiere begann der Mensch die Milch der Tiere zu nutzen und diese haltbar zu machen. Daraus entstand über die Jahrtausende eine große Vielfalt an Produkten. Insbesondere Käse, aber auch Joghurt, Trinkmilch, Quark, Butter und Speiseeis gehören ebenso dazu. Milch und Milchprodukte enthalten viel Kalzium, Zink und Jod sowie die Vitamine B2 und B12 – Bestandteile einer gesunden Ernährung. Im Schnitt essen die Deutschen pro Kopf 80 Kilogramm Frischmilch.

Was zeichnet Ziegenmilch aus?
  • enthält rund 3,3 bis 3,5 Prozent Fett, damit weniger als die Kuhmilch.
  • hat Fettkügelchen mit einer durchschnittlichen Größe von 3,5 Mikrometer – kleiner als die der Kuhmilch mit 4,5 Mikrometer, was eine leichte Verdaulichkeit zur Folge hat;
  • hat eine hohe Fettverdaulichkeit, weil die Enzyme die kleinen Fettkügelchen besser aufschließen;
  • enthält viel wertvolles Protein;
  • enthält mehr kurz- und mittelkettige Fettsäuren als Kuhmilch. Diese Fettsäuren werden leichter vom Körper assimiliert als langkettige und sind daher sehr gut verdaulich.
  • ist reinweiß, weil sie nicht das Provitamin des Vitamins A (Karotin) enthält, sondern schon das fertige Vitamin A.

Heute schätzt eine Vielzahl von Kuhmilchallergikern Ziegenmilch als Ersatz. Besonders bei betroffenen Säuglingen sehen Ärzte auf Grund der unterschiedlichen Eiweißzusammensetzung gegenüber Kuhmilchprodukten eine Alternative in der Ziegenmilch. Im Vergleich zur Kuhmilch hat Ziegenmilch einen niedrigeren Gehalt an Alpha-s1-Kasein. Dieses Kasein ist nicht nur als Allergen bekannt, sondern ist hauptsächlich dafür verantwortlich, warum Kuhmilch schwerer zu verdauen ist als Ziegenmilch. Auch optisch grenzen sich Ziegen- und Kuhmilchprodukte voneinander ab. Die Aufnahme von ß-Carotin in das Milchfett erfolgt nicht bei der Ziegenmilch. Aus diesem Grund erscheint diese Milch weißer; auch die daraus hergestellten Produkte, wie Käse und Butter sind heller.

Vorwiegend in den westlichen Ländern und in den Mittelmeerländern wir die Ziege wegen ihrer Milch gehalten. Die Milch wird dann hauptsächlich zu Käse oder Joghurt verarbeitet.

Auch in den Entwicklungsländern ist die Milch ein wichtiges Produkt für die arme Bevölkerung, da mit einem halben Liter Ziegenmilch am Tag der Eiweißbedarf und ein Teil des Energiebedarfs eines Kindes gedeckt werden kann. Die Ziegen können wegen ihrer geringen Körpergröße auf den kleinsten Flächen auch von den armen Schichten gehalten werden. Auch in Indien und Pakistan sowie in Lateinamerika wird Ziegenmilch sehr geschätzt.

Heute wird die Milch auch in Seife oder anderen Kosmetikprodukten verwendet.

Das Ziegenfleisch ist weltweit gesehen genauso ein wichtiges Produkt wie Milch.

Das Fleisch der Ziege ist eine Delikatesse, global gesehen ist es sogar eine der meist verzehrten Fleischsorten überhaupt. In Deutschland ist Ziegenfleisch allerdings kein Produkt für die Fleischtheke im Supermarkt. Es wird hauptsächlich direkt vermarktet oder in kleinen Metzgereien angeboten.

Geschmack und Qualität des Ziegenfleisches hängt von Rasse, Alter, Geschlecht und Fütterung der Tiere ab.

Was zeichnet Ziegenfleisch aus?
  • höherer Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren als Schaffleisch
  • geringer Anteil an Fett und Cholesterin
  • reichlich vorhanden sind Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine
  • hoher Anteil an Linolsäure
    Linolsäure soll eine krebsvorbeugenden Wirkung haben und den Muskelaufbau begünstigen.

    Experten bezeichnen das Verhältnis der Nährstoffe im Ziegenfleisch daher als sehr gesundheitsfördernd.

Die Farbe von Ziegenfleisch reicht von hellrosa bis zu dunkelrot. Je heller das Fleisch, desto jünger war die geschlachtete Ziege. War das Schlachttier jünger als sechs Monate, so spricht man von Kitzfleisch. Dieses Fleisch ist besonders zart, es enthält wenig intramuskuläres Fett und hat eine kurze Garzeit. In Fachkreisen gilt es als Delikatesse. Bei Tieren zwischen dem Alter von 6 bis 12 Monaten spricht man von Jungziegenfleisch. Das Fleisch der Alt-Ziege eignet sich für Salami und Bratwurst oder kann für die Herstellung anderer Wurstsorten verwendet werden. Im deutschsprachigen Raum besteht zu den Feiertagen rund um Ostern eine erhöhte Nachfrage nach Ziegenfleisch.

Das Ansehen des Ziegenfleisches ist je nach Region auf der Welt verschieden. In vielen asiatischen Ländern wird Schaf- und Ziegenfleisch gar nicht unterschieden und sie sind dort wichtige Fleischlieferanten, da Rinderfleisch aus religiösen Gründen nicht verzehrt werden darf. In einem Teil der asiatischen Länder sowie in Teilen Afrikas wird Ziegenfleisch gegenüber Schaffleisch sogar bevorzugt (z.B. Malaysia).

In den meisten Industrieländern wird Ziegenfleisch wenig geschätzt und nur zu Weihnachten oder Ostern vermehrt nachgefragt, in manchen nur von Bevölkerungsgruppen, die ursprünglich aus Gebieten mit traditioneller Ziegenhaltung stammen, beispielsweise in Amerika Gruppen lateinamerikanischer Abstammung. Ein Grund für die Wertschätzung von Ziegenfleisch kann neben dem Geschmack der geringe Fettgehalt sein.

In Mittelmeerländern und vielen Entwicklungsländern wird die Herstellung von Milch und Fleisch kombiniert, indem zu Anfang der Laktation zunächst die Lämmer gesäugt werden, zum Teil mit gleichzeitigem Melken.

Ziegenhaare und -leder sind Nebenprodukte mit einer gewissen Bedeutung in Entwicklungsländern. Zur Erzeugung von spinnbaren Fasern, Mohair oder Kaschmir, werden spezielle Ziegenrassen herangezogen.

Die Angoraziege mit ihren Mohairfasern ist zur Herstellung multifunktionaler Textilen geeignet. Auch die Kaschmirziege trägt eine sehr feine Wolle. Zur Gewinnung werden die Ziegen gekämmt. Anschließend wird die gewonnene Wolle nach Farbe sortiert und entgrannt; das heißt Deckhaar und Unterhaar werden getrennt. Zur Verarbeitung in der Textilindustrie verwendet man nur das Unterhaar.

Die Wollfasern dieser Ziegen leiten die Feuchtigkeit gut ab, wärmen dadurch im Winter und kühlen im Sommer. Sie sind langlebig und von Natur aus elastisch, lassen sich leicht färben. Zudem knittern und verfilzen die Stoffe nicht. Sie zählen zu einer der edelsten Stoffe in der Textilherstellung und werden in drei „Feinheitsklassen“ eingeteilt:

Kid: Feinste Wolle von Jungtieren, erste Schur im Alter von sechs Monaten. Findet vorrangig Einsatz bei Kleidung und Wohntextilien.
Young goat: Junge Tiere, die noch nicht ausgewachsen sind – Wolle zählt zur „Mittelklasse“, wenn es um die Feinheit geht (30 bis 33 Mikron).
Adult: Ausgewachsene Tiere, deren Wolle fester und dicker (34 bis 40 Mikron) ist. Wird zur Herstellung schwere Stoffe und Teppiche verarbeitet. Die größte Produktion findet im Ausland statt. Jedoch gibt es auch hierzulande Ziegenhalter, die Wolle ihrer Tiere nutzen, hauptsächlich im Hobbybereich. Insgesamt werden in elf Haltungen Wollziegen gezüchtet.

Des Weiteren kann das Fell zu Ziegenleder verarbeitet werden. Ziegenleder ist ein weit verbreitetes Leder und wird daher überwiegend für Bekleidung, Schuhe, Taschen und Lederwaren eingesetzt. Es ist besonders widerstandsfähig und kann je nach Gerbung und Zurichtung sehr weich bis steif sein. Zickelleder stammt vom Jungtier der Ziege und gilt als kostbar. Es wird besonders zur Herstellung von Damenhandschuhen (Glacé) verwendet, aber auch als Membran im Orgelbau.

Dung und Blut werden, wie bei anderen Tieren auch, als Dünger verwendet.

Vereinzelt werden Ziegen auch als Lasttiere oder Zugtiere eingesetzt.

Landschaftspflege

Aufgrund ihres typischen Fressverhaltens kann grundsätzlich jede Ziegenrasse zur Landschaftspflege dienen. Dabei sind sie vor allem für die Erstpflege von stark verbuschten Flächen geeignet, da sie eher längeres, schon verholztes Gras dem Grünbewuchs vorziehen und Büsche und Bäume bis in eine Höhe von etwa zwei Meter von Trieben, Blättern und Zweigen befreien. So können in Weidegebieten Buschvegetationen in Schach gehalten werden. Ziegen können durch ihre Geschicklichkeit auch dorniges Gestrüpp abfressen ohne sich zu verletzen. Zur Landschaftspflege sollen die Tiere aber auch Pflanzen fressen, die für sie nicht so schmackhaft sind. Dabei kann es sein, dass die Tiere nicht genügend Nährstoffe aufnehmen um hohe Leistungen zu erbringen.