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Ziegenzucht und Ziegenhaltung in Schleswig-Holstein

Die Ziegenzucht in Schleswig- Holstein hat eine lange Tradition. Sicherte die „Kuh des kleinen Mannes“ in früheren Zeiten das Überleben vieler Familien, so sind die Produkte der Ziege heutzutage begehrte Delikatessen von hoher Qualität. Ziegen gehören zu den ältesten Haustieren des Menschen. Sie liefern
Milch, Fleisch, Wolle und Felle und werden seit einigen Jahren auch vermehrt in der Landschaftspflege eingesetzt. Weltweit gibt es ca. einhundertdreißig Ziegenrassen. Die weitaus größte Zahl der Rassen, als auch der Ziegen werden in den so genannten Entwicklungsländern gehalten, nur knapp 3 % des
Weltbestandes leben in Europa. In Schleswig-Holstein werden zur Zeit 10 Rassen im Herdbuch geführt.
Die Rassen lassen sich nach ihrer Nutzungsrichtung in Milch-, Fleisch- und Wollziegen einteilen, wobei auch Zwischenformen (Mehrnutzungstypen) vorhanden sind.
Seit etwa hundert Jahren sind die Ziegenzüchter Schleswig-Holsteins in Verbänden organisiert, die heute im Verband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. vereint sind. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Zahl der Ziegen in „schlechten Zeiten“ ansteigt, während sie in Zeiten steigenden
Wohlstandes stets zurückgeht. So hatten wir in Schleswig-Holstein - wie in ganz Deutschland - nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der achtziger Jahre einen ständigen Rückgang der Ziegenzucht zu verzeichnen. Mit Beginn der Änderung der Ernährungsgewohnheiten hin zu gesünderen und naturbelasseneren Lebensmitteln ist seitdem ein erneuter steter Anstieg der Ziegenzahlen zu beobachten.
Der Landesverband Schleswig- Holsteiner Ziegenzüchter e.V. wurde vor etwa 100 Jahren gegründet und umfasst das gesamte Gebiet Schleswig- Holstein. Im Jahr 2013 wurde der Ziegenzuchtverband aufgelöst. Seitdem werden die Ziegenhalter vom Landesverband Schleswig- Holsteinscher Schaf- und Ziegenzüchter e.V. betreut.
Der Verband ist als Tierzuchtverband vom Ministerium in Kiel anerkannt und Mitglied im Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter e.V. (BDZ), der die Interessen der Ziegenhaltung auf Bundes- und EU- Ebene vertritt.
Der Landesverband hat die Aufgabe, durch seine züchterische und organisatorische Arbeit der breiten Landesziegenzucht und -haltung zu dienen, ihr ein leistungsfähiges Tiermaterial zur Verfügung zu stellen und somit die Erzeugung und die Wirtschaftlichkeit der Ziegenhaltung zu fördern.
Das Zuchtprogramm des Verbandes sieht zur Erreichung dieses Zieles die Durchführung der Reinzucht vor. Dies bedeutet, dass stets nur reinrassige Ziegen der selben Art angepaart werden. Diese Ziegen werden nach ihrem ersten Ablammen in das Zuchtbuch, das sog. Herdbuch aufgenommen.
Das Schauwesen ist ein weiterer wesentlicher Teil der Verbandsarbeit. Dabei geht es sowohl um den züchterischen Vergleich der Tiere untereinander, als auch um die Präsentation des Standes der Ziegenzucht vor einer breiten Öffentlichkeit. Der Verband ist keineswegs eine alleinige Einrichtung für
Herdbuchzüchter und größere Ziegenhaltung. Alle Mitglieder –ungeachtet der gehaltenen Ziegenrasse oder der Größe der Herde- können von unsere Leistungsangebot profitieren. Erfahrungsgemäß bedürfen gerade kleinere und aufbauende Ziegenhaltungen einer intensiven Beratung, die wir unseren
Mitgliedern kostenlos bieten bzw. vermitteln. Die Mitgliedschaft im Verband bedeutet bessere und schnellere Information rund um das Thema Ziegenhaltung und reger Austausch mit anderen Ziegenhaltern.
Die Beratung der Mitglieder zu allen Bereichen der Ziegenzucht, -haltung und -fütterung nimmt zusätzlich einen breiten Raum ein. Immer wichtiger werden darüber hinaus Fragen der Vermarktung der Produkte und des damit zusammenhängenden Lebensmittelrechts. Bei politischen Entscheidungen zur Ziegenhaltung auf Landesebene ist der Landesverband ein
kompetenter Ansprechpartner; auf Entscheidungen auf Bundes- und EU-Ebene nimmt der Verband über seine Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) Einfluss.


Unsere Angebote:

  • Wahrnehmung von Ziegenhalterinteressen auf Landes- und Bundesebene
  • Beratung zu Zucht- Haltungs- und Fütterungsfragen
  • Beratung in Fragen der Tiergesundheit in Zusammenarbeit mit erfahrenen   Tierärzten
  • Ausrichtung von Kör- und Absatzveranstaltungen
  • Vermittlung von Zucht- und Nutzziegen
  • Vermittlung von Bedarfsartikeln für die Ziegenhaltung
  • Fachliche Stellungnahme und Gutachten
  • Informationsschreiben
  • Fortbildungsseminare
  • Organisation von Tierschauen

 

 

Allgemeines über die Ziegen:

Domestikation
Ziegen und Schafe sind die ersten Haustiere die domestiziert wurden, da in der Region, in der die Menschen anfingen Ackerbau zu betreiben auch Wildziegen lebten. Schon früh nahmen die Ziegen eine wichtige Stellung für die Wirtschaft ein. Sie lieferten Fleisch und ihre Häute wurden für Leder und Schläuche zum Transport von Flüssigkeiten genutzt. Seit mindestens 4500 Jahren wurden die Hausziegen auch gemolken und die Wolle weiterverarbeitet. Aber auch religiöse und kultische Erwägungen spielten eine gewisse Rolle bei der Verbreitung der Ziege.

Geschichte der Ziegenhaltung in Deutschland
Etwa 5.500 v. Chr. beginnt die mitteleuropäische Landwirtschaft mit den bekannten Haustieren Rind, Schwein, Schaf, Hund und Ziege. Die Tiere wurden hauptsächlich zur Fleischerzeugung und für die Gewinnung von Rohstoffen zur Herstellung von Bekleidung und Gebrauchsgegenständen gehalten. Ab
5000 bis 4.400 v. Chr. wurden die Ziegen auch gemolken. In der Zeit der Römer (ca. 450 n. Chr.) erfolgte die Einführung der Tierzucht und mit ihr ausführliche Hinweise zur Haltung von Ziegen. Im Mittelalter (ca. 500-1500 n. Chr.) genoss die Ziegenhaltung großes Ansehen. Karl der Große befahl seinen Gutsverwaltern neben den Milchziegen auch Böcke zu halten, deren Hörner und Felle abzugeben waren. Bis zum 30jährigen Krieg wurden in Deutschland sehr viele Ziegen gehalten, auch in Städten. Danach gewann die Rinderhaltung stark an Bedeutung und die Weidegerechtigkeit wurde aufgehoben. Damit stand der Ziegenhaltung immer weniger Weidefläche zur Verfügung. Zudem wurde
die Ziege aufgrund ihrer Fressgewohnheiten vermehrt als schädlich für den Forstbestand angesehen. In vielen Regionen wurde deshalb die Ziegenhaltung gesetzlich eingeschränkt. Schon in früheren Zeiten galt die Ziege als Kuh des armen Mannes. Arme Leute schätzten die Ziege als wertvollen Nahrungslieferanten, andere bekämpften sie wegen ihrer schädlichen
Nahrungsgewohnheiten. Es kann auch beobachtet werden, dass der Umfang der Ziegenhaltung stark mit dem Lebensstandard verbunden war. In schlechten Zeiten hat sich die Zahl der Ziegen in der Geschichte regelmäßig erhöht,
da sie für die Selbstversorgung mit Milch, Käse und Fleisch gehalten wurden. Der Ziegenbestand wuchs stetig zwischen 1870 und 1915 und stieg nach dem 1. Weltkrieg sogar auf über 1 Millionen Tiere in Deutschland.
Danach verbesserten sich die Lebensumstände der Bevölkerung und der Bestand schrumpfte zwischen 1923 und 1939. Während des 2. Weltkrieges wurden wieder mehr Ziegen gehalten. Ab 1950 sank der Bestand aber wieder deutlich ab, bis er etwa 1970 seinen Tiefstand erreichte. Bis in die 90iger
des vorherigen Jahrhunderts steigerte sich allerdings das Interesse der Verbraucher für Ziegenmilch und deren Produkte. Zu dieser Zeit konnte ein neuer Trend beobachtet werden. Obwohl es der Bevölkerung wirtschaftlich besser ging, stieg die Zahl der Ziegen in Deutschland an. Dies war eng mit
den veränderten Verbrauchergewohnheiten, hin zu naturbelasseneren und regionalen Lebensmitteln verbunden. Zudem gewann die Direktvermarktung an landwirtschaftlichen, heimischen Produkten an Bedeutung. Auch im betriebswirtschaftlichen Sinn wurde die Ziegenhaltung als eine Alternative erkannt. Insbesondere die entfallende Milchquote bei der Ziegenmilch war für viele ein Entscheidungsgrund bei der Wahl der Produktionsausrichtung des Betriebes. Im Jahr 2000 wurde die Zahl der Ziegen auf etwa 140.000 Tiere geschätzt, wobei davon etwa 60% von Hobbyhaltern und 10% in ökologisch
wirtschaftlichen Betrieben gehalten wurde.


Andere Bezeichnungen für Ziegen
Jungtier: Zicklein, Lamm, Kitzi, Gitzi
Weibliches Tier ab der ersten Geburt: Geiß, Ziege, Zibbe
Weibliches Tier, das noch nie gelammt hat: Maidenziege
Männliches geschlechtsreifes Tier: Bock

Verbreitung der Ziegenhaltung
Weltweit gibt es etwa 480 Millionen Ziegen und etwa 130 verschiedene Rassen. Der weitaus größte Teil der Ziegen (80%) wird in tropischen Ländern gehalten. In den Entwicklungsländern, die zum größten Teil in den Tropen liegen, werden 93% des Ziegenbestandes der Welt gehalten. In Europa hat der Ziegenbestand 2004 bei etwa 11,43 Millionen Ziegen gelegen, wovon der größte Teil in Südeuropa zu finden ist. Etwa 90% der Ziegen in der EU leben in Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien. In den Mittel und Osteuropäischen Staaten sind die Schaf- und Ziegenbestände seit Anfang 1990 stark zurückgegangen. In den meisten europäischen Ländern werden die Ziegen überwiegend zur Milchproduktion eingesetzt. Ziegen werden eigentlich überall auf der Welt gehalten. Diese weite Verbreitung und besonders der hohe Bestand in Entwicklungsländern, ist auf eine Reihe von Vorteilen zurückzuführen:

  • Hohe Anpassungsfähigkeit
  • Geringe Ansprüche an die Wasserversorgung
  • Hohe Salztoleranz
  • Fressgewohnheiten
  • Vielseitige Nutzung
  • Schnelle Vermehrung bzw. Nutzung
  • Keine religiösen Vorbehalte

Formen der Ziegenhaltung
Da die Ziegen über eine große ökologische Anpassungsfähigkeit verfügen, existieren vielfältige Möglichkeiten in Bezug auf Formen und Strukturen der Ziegenhaltung. Vorwiegend wird die Ziege in den westlichen Ländern und in den Mittelmeerländern wegen ihrer Milch gehalten. Die Milch wird dann hauptsächlich zu Käse verarbeitet. Das Fleisch der überzähligen Lämmer ist nur ein Nebenprodukt. Auch in den Entwicklungsländern ist die Milch ein wichtiges Produkt für die arme Bevölkerung, da mit einem halben Liter Ziegenmilch am Tag der Eiweißbedarf und ein Teil des Energiebedarfs eines Kindes gedeckt werden kann. Die Ziegen können wegen ihrer geringen Körpergröße auf den kleinsten Flächen auch von den armen Schichten gehalten werden. Auch in Indien und Pakistan sowie in Lateinamerika wird Ziegenmilch sehr geschätzt.
Das Ziegenfleisch ist weltweit gesehen genauso ein wichtiges Produkt wie Milch. In Mittelmeerländern und vielen Entwicklungsländern wird die Herstellung von Milch und Fleisch kombiniert, indem zu Anfang der Laktation zunächst die Lämmer gesäugt werden, zum Teil mit gleichzeitigem Melken.
Das Ansehen des Ziegenfleisches ist je nach Region auf der Welt verschieden. In vielen asiatischen Ländern wird Schaf- und Ziegenfleisch gar nicht unterschieden und sind dort wichtige Fleischlieferanten, da Rinderfleisch aus religiösen Gründen nicht verzehrt werden darf. In einem Teil der asiatischen Länder sowie in Teilen Afrikas wird Ziegenfleisch gegenüber Schaffleisch sogar
bevorzugt (z.B. Malaysia). In den meisten Industrieländern wird Ziegenfleisch wenig geschätzt und nur zu Weihnachten oder Ostern vermehrt nachgefragt. In Manchen Industrieländern wird Ziegenfleisch von Bevölkerungsgruppen nachgefragt, die ursprünglich aus Gebieten mit traditioneller Ziegenhaltung
stammen, beispielsweise in Amerika Gruppen lateinamerikanischer Abstammung. Ein Grund für die Wertschätzung von Ziegenfleisch kann neben dem Geschmack der geringe Fettgehalt sein. Felle und Haare sind Nebenprodukte mit einer gewissen Bedeutung in Entwicklungsländern. Zur
Erzeugung von spinnbaren Fasern, Mohair oder Kaschmir, werden spezielle Ziegenrassen herangezogen. Dung und Blut werden, wie bei anderen Tieren auch, als Dünger verwendet. Vereinzelt werden Ziegen auch als Lasttiere oder Zugtiere eingesetzt. Aufgrund ihres typischen Fressverhaltens können Ziegen zur Landschaftspflege dienen. In Weidegebieten können Buschvegetationen in Schach gehalten werden, da die Tiere bevorzugt Blätter, junge Triebe, Sträucher und Gestrüpp sowie Zweige fressen. Ziegen können durch ihre
Geschicklichkeit auch dorniges Gestrüpp abfressen ohne sich zu verletzen. Zur Landschaftspflege sollen die Tiere aber auch Pflanzen fressen, die für sie nicht so schmackhaft sind. Dabei kann es sein, dass die Tiere nicht genügend Nährstoffe aufnehmen um hohe Leistungen zu erbringen.


Ziegenhaltung in Deutschland
Zuletzt wurden die Ziegen in Deutschland 1977 bei der amtlichen Viehzählung erfasst, daher gibt es seitdem nur noch Schätzungen über die Zahl der gehaltenen Ziegen und die Struktur der Betriebe. Zurzeit werden bundesweit etwa 125.000 bis 160.000 Ziegen gehalten, wovon etwa die Hälfte zur
Milchproduktion eingesetzt werden. Von den größeren Milchziegenbetrieben wirtschaften schätzungsweise 25% ökologisch.
In Deutschland sind große Ziegenherden selten, da die Bundesrepublik dicht besiedelt und landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. So werden einzelne Ziegen im Dorf oder am Stadtrand von Nicht-Landwirten gehalten, die im wesentlichen die Milch bzw. den Käse selbst verbrauchen. Auch die
Haltung der Ziegen in landwirtschaftlichen Kleinbetrieben als Nebenzweig ist in der Praxis anzutreffen. Die Tiere werden auch Rest-und Kleinflächen gehalten, die sonst nicht nutzbar wären. Die Haltung von Ziegen ins größeren Spezialbetrieben steht in Konkurrenz zur Schaf-und Rinderhaltung.
Für die Milch der Ziegen muss ein höherer Preis erzielt werden können als für Kuhmilch. Die Milcherzeugung mit Ziegen kann interessant sein, da die EU-Quotenregelung für Ziegenmilch nicht gilt. Die Bedeutung der Ziegenhaltung nimmt in den letzten Jahren zu. Gründe dafür sind einerseits das
zunehmende Interesse der Verbraucher an Ziegenmilchprodukten und andererseits die Möglichkeit für Betriebe Grünland sowie Stall und Arbeitskapazitäten zu nutzen, die durch die Umstrukturierung in der
Landwirtschaft frei werden. Aufgrund der Vermarktungsstruktur in Deutschland, mit nur wenigen Molkereien für Ziegenmilch, wird die Ziegenmilch oft auf dem Betrieb in Kleinkäsereien handwerklich weiterverarbeitet und anschließend an Hof oder über Wochenmärkte vermarktet. In Schleswig-Holstein
gibt es eine Molkerei, im Grenzdreieck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie Bayern verarbeiten jeweils zwei Molkereien Ziegenmilch. Insbesondere in Sachsen und Thüringen finden sich auch Ziegenbestände mit 700 bis 1.000 Tieren.

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