Pay Brodersen, Schäfer, Nordfriesland

500 Mutterschafe, 2km Küstendeich zu Beweidung

Wie ist ihre aktuelle Situation?

Wir haben eine Deichschäferei hier an der Küste. Im Winter ist auf den Deichen natürlich Sperrfrist, d.h. wir sind im Winter nur auf fremden Flächen unterwegs, wie auf Flächen von Milchviehbauern oder auf Zwischenfruchtflächen von Biogasanlagen. Dort ziehen wir etwa alle 2-3 Wochen von Feld zu Feld. Das Gras wird von unseren Schafen abgegrast, damit die Flächen im nächsten Frühjahr auch wieder gesund austreiben können. Dort zäunen wir immer mit eine Stromlitze ein, die jeden Tag kontrolliert werden muss und deshalb sind wir auch jeden Tag unterwegs. Wir haben kaum Flächen auf der Marsch, da es hier aufgrund der Nässe nun noch nasser ist als oben auf der Geest. Im Winter sind die höheren Geestflächen, zumindest in unserer Region, die richtigen.

Heute geht es einigermaßen, aber natürlich war es in letzter Zeit und eigentlich schon der ganze letzte Herbst 2017 sehr nass. Vom Spätsommer an bis jetzt zum Neujahr hatten wir sehr viel Niederschlag. Und natürlich war es schwieriger als sonst, die Schafe zu halten. Trotzdem haben wir genug Flächen gefunden, wo die Schafe in Ruhe liegen können und genug Futter finden. Im Verhältnis zu den letzten Jahren sehen die Schafe genau so gut und gesund aus. Ich hatte bisher noch keinen wetterbedingten Todesfall, die sind alle topfit. Ich fahr jeden Tag zu jeder Herde und dann wird der Strom geprüft und man sieht natürlich auch die Schafe einmal laufen. Ich kontrolliere die ganze Fläche, ob ein Schaf auf dem Rücken liegt und dabei sehe ich die Schafe, wie sie gräsen oder ruhen. Als Schäfer mit einem guten Auge sieht man, ob es den Tieren gut geht. Die Schafe haben eben so ihren Ausdruck. Ein gesundes Schaf hat eine gewisse Mimik mit Ohrenspiel, Wiederkäuen und ist körperlich gut konditioniert also gut im Futter. Und wenn etwas verdächtig ist, schaut man sich das Tier genauer an. Aber normalerweise geht es den Schafen halt gut.“

Haben Sie besondere Maßnahmen aufgrund der Wetterlage ergriffen?

Dieses Jahr haben wir deutlich häufiger die Schafe umgejagt als letztes Jahr, da schneller Trittschäden aufgetreten sind. Die Schafe hatten aber locker genug Futter. Wir bauen auch keine Unterstände auf, da die Schafe wirklich fit sind und immer wieder abtrocknen, sobald es mal nicht regnet. Man muss sich mal so ein Schaf auf der Weide schnappen und mal anfassen. Wenn man den Finger durch die Wolle steckt, die Haut ist warm. Das ist schon mal ein Anzeichen dafür, dass es ihnen nicht so schlecht geht.“

Warum haben Sie im November nicht aufgestallt?

Schafe sind Weidetiere, die gehören einfach raus! Die gehören an den Deich und auf sonstige Weiden, aber nicht in den Stall. Stallzeit ist für ein Schaf immer nur die Zeit, wo es besonders viel Energie und Pflege braucht, das ist dann wenn die Lämmer zur Welt kommen. Außerdem dann wäre die Schafhaltung im Stall auch nicht rentabel.“

Meine Schafe sind für mich...

...was ganz Besonderes und Wichtiges. Einerseits lebe ich schon mein ganzes Leben lang mit Schafen und bin damit groß geworden. Natürlich sind sie für mich auch meine Lebensgrundlage, von dem Geld aus den Lämmerverkäufen leben wir. Für mich ist es ein großes Glück diesen Beruf ausüben zu dürfen. Es gibt kaum etwas Schöneres als mit Tieren zu arbeiten, wie z.B. in der Lammzeit, täglich die Geburten zu erleben, ist etwas ganz Besonderes.“

zurück zur Übersicht

Aktuelles

Praktikantin/Praktikant gesucht!

Der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegen-züchter e.V. sucht zum nächstmöglichen...


Aktuelles

Schäfereikalender 2019

Der neue Schäfereikalender 2019 ist da. Der Schäfereikalender ist für jeden Schäfer (und auch...