Schafhaltung im Allgemeinen

Das Schaf ist eines der ältesten Nutztiere und liefert dem Menschen seit jeher Wolle, Fleisch, Milch, Felle und Dünger. Daneben – und besonders in Schleswig-Holstein –erfüllen die Schäfer mit ihren Schafherden wichtige gesellschaftliche Aufgaben, wie Küstenschutz, Landschaftspflege, Umwelt- und Naturschutz. So spielt die Schafhaltung eine maßgebliche Rolle etwa für die natürliche Pflege weniger fruchtbarer Gebiete, die Bewahrung der Artenvielfalt, sowie im Kampf gegen Erosion und Überschwemmungen.

Der Großteil der Schafe läuft auf den Deichen der Ost- und Westküste sowie an allen Flussdeichen und erfüllt hier einen wichtigen Teil des Küstenschutzes. Durch ihren Verbiss wird die Grasnarbe kurz gehalten, die Bestockung angeregt und dadurch das Wurzelwerk gestärkt. Zudem wird der Deich durch den Tritt der Tiere zusätzlich gefestigt, so dass die Sicherheit des Deiches bei Hochwasser gewährleistet ist. Diese Arbeit kann nicht durch Maschinen ersetzt werden. Eine Deichpflege und damit ein wirkungsvoller Küstenschutz ist ohne die Schafbeweidung daher nicht möglich. Damit schützen die Schafe 3.722 km2 bzw. 24 % der gesamten Landfläche von SH mit 344.000 Einwohnern an der Küste und Sachwerten in Höhe von 47 Mrd €. Zusätzlich ist das Bild der Schafe auf den Deichen eine wichtige touristische Attraktion und ein Aushängeschild für Schleswig Holstein.In Schleswig-Holstein und Hamburg gibt es zurzeit 186.600 Schafe und 1.200 Schafhalter. Bei der Verteilung der Schafe in Schleswig-Holstein ist die hohe Besatzdichte in denKreisen Nordfriesland (42 %) und Dithmarschen (32 %) besonders auffällig. Damit werden mehr als 70 % der Schafe an der Westküste auf dem fruchtbaren Marschboden, dem absoluten Dauergrünland und an den Deichen der Nordsee gehalten.

Die Schafhaltung wird in Schleswig-Holstein sowohl von Haupt- und Nebenerwerbs-landwirten, als auch von Hobbyhaltern betrieben. Gemeinsam ist jeder Form der Schafhaltung, dass die Schafe den Großteil des Jahres draußen auf der Weide verbringen. Schafhaltung ist durch eine hohe Flexibilität gekennzeichnet. Die Standort- und Produktionsvoraussetzungen in den einzelnen Betrieben unterscheiden sich erheblich. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Wander- und Hütehaltung auf der einen und Koppelhaltung auf der anderen Seite. Wenn von Schafen gesprochen wird, haben viele das idyllische Bild eines Schafhirten mit seiner Schafherde im Kopf. Doch diese sogenannte Wanderschafhaltung gibt es in Schleswig-Holstein fast gar nicht. Gleiches gilt für die Hüteschafhaltung in unserem Bundesland, bei der es sich meistens um die Beweidung von Truppenübungsplätzen handelt.

In Schleswig-Holstein herrscht die sogenannte Koppelschafhaltung vor, bei der die Schafe in umzäunten Flächen gehalten werden. Der Schäfer kontrolliert seine Tiere ein- bis zweimal am Tag. Gegenüber der Hütehaltung sind die Lohnkosten sowie der Arbeitsaufwand geringer. Diese Haltungsform hat bisher ermöglicht Herden von etwa 1000 Mutterschafen zu halten und so das Überleben der Schafhaltungsbetriebe gesichert. Eine besondere Form der Koppelschafhaltung ist die Deichschafhaltung, die es hauptsächlich in Schleswig-Holstein und Teilen Niedersachsens gibt. Die Deichflächen gehören dem Land Schleswig-Holstein und werden an die Schafhalter verpachtet, wofür sie jedoch Auflagen erfüllen müssen. Der Pächter erhält ein eingezäuntes Deichstück, welches bei den Außendeichen von der Deichkrone aus gemessen ca. 150 Meter in Richtung Meer reicht und in der Länge mehrere Kilometer lang sein kann. Normalerweise werden die gepachteten Deichflächen vom 15. März bis zum 15. Oktober (in trockenen Jahren bis zum 15. November) beweidet. Da die Deiche in der Regel im Winter nicht beweidet werden dürfen, müssen die Schafe auf Weiden im Binnenland verbracht werden. Über Winter teilen die Deichschäfer ihre Herden in Partien von 50-80 Schafen auf und weiden von Oktober bis Februar die Grünlandflächen rindviehhaltender Betriebe in ganz Schleswig-Holstein ab. So bleibt dem Landwirt der letzte Herbstpflegeschnitt erspart, weil die Wiesen und Weideflächen durch die Schafe kurz gehalten und verfestigt werden, wodurch die Grasnarbe gut bestockt und somit gut gepflegt durch den Winter kommt. Die Tiere müssen täglich kontrolliert und etwa alle 7-10 Tage umgeweidet werden. Diese Flächen können sehr weit weg von der Betriebsstelle sein, wodurch lange Fahrten für die Tierkontrolle und das Umweiden anfallen.In Dithmarschen werden die Schafe zum Großteil nach dem Abtrieb vom Deich im Herbst auf die abgeernteten Kohlfelder gebracht. Dort dienen ihnen die restlichen Kohlköpfe und vor allem die Kohlstrunken als sehr nahrhaftes Schaffutter. Um die geringe Rohfaser auszugleichen, wird zusätzlich Stroh gefüttert. Nachdem die Futterflächen vollständig abgeweidet sind, kommen die Schafe ebenfalls auf die Winterweide.

Durch das saisonale Fortpflanzungsverhalten der schleswig-holsteinischen Schafrassen werden die Mutterschafe im Herbst gedeckt und bekommen nach ca. fünf Monaten Tragezeit ihre Lämmer. Abhängig vom genauen Deckzeitpunkt liegt die Lammzeit überwiegend im Februar bis April. Die Schafe werden in der Regel nur drei bis vier Wochen während der Lammzeit im Stall gehalten. Deshalb haben auch die wenigsten Schafhalter in Schleswig-Holstein große Stallungen und Hallen, sondern meist nur kleine Scheunen. Einige nutzen auch Scheunen und Stallungen der umliegenden Landwirte, um dort ihre Lammzeit abzuhalten. Sobald das Wetter im Frühjahr trocken ist, kommen die Mutterschafe mit ihren Lämmern recht schnell wieder auf die Weiden. Während der Säugezeit ist der Nährstoffbedarf des Muttertiers besonders hoch und die frischen Weiden bieten ein reichliches, vollwertiges und preiswertes Futter.

Heimische Schafrassen verfügen mit ihrer Wolle über einen natürlichen Witterungsschutz, der für die meisten Wetterlagen ausreichend ist. Diese Wolle bedarf jedoch der Pflege durch den Tierhalter, um funktionsgerecht zu sein. Der Termin für die jährliche Schafschur soll in der Regel bis zum 30. Juni stattgefunden haben, wobei der Monat Juni optimal ist. So wird eine Überhitzung der Tiere im Sommer vermieden. Gleichzeitig haben die Tiere ausreichend Zeit, für die Wintermonate wieder genügend Wolle aufzubauen. Die tatsächlichen Gegebenheiten des jeweiligen Jahres sind dabei aber einzubeziehen, d.h. bei einem Kälteeinbruch müssen bereits geschorene Tiere ggf. aufgestallt oder auf andere Weise geschützt werden.


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